Heimbeirat

Pflegeheim. Welche Gedanken und Gefühle impliziert dieses Wort? In den meisten Fällen ruft es erst einmal Unbehagen hervor. Im „Haus am Brühl“ kann man die Vorurteile in Sachen Seniorenpflegeheim schon an der Eingangstür ablegen.

Im Zentrum von Werdau gelegen, wirkt das „Haus am Brühl“ auf den ersten Blick wie ein Hotel. Erst wenn man es betritt und ein paar Schritte geht, merkt man, dass man in einem Zuhause betagter Menschen zu Gast ist. Obwohl… von betagt kann eigentlich keine Rede sein, wie man am Heimbeirat bestens beweisen kann. Drei Damen und zwei Herren sitzen im großen, hellen Speisesaal am Tisch und schauen freundlich, als wir uns zum Gespräch versammeln.

„Schreiben Sie drei Buchstaben, groß: L-O-B!“, ruft Herr Tröger, der seit 2010 im „Haus am Brühl“ wohnt. Die illustre Runde lacht. Von betagten Menschen ist hier keine Spur. Die Geister der fünf Senioren, die den Heimbeirat bilden, sind äußerst wach, das Alter ist ihnen weder anzusehen noch anzuhören, ja man ist verwundert, wenn man hört, dass sie schon die 90 erreicht haben.

Die Senioren sind sich einig: Im 2010 eröffneten Seniorenpflegeheim „Haus am Brühl“ sind sie zu Hause. Unterschiedliche Lebensgeschichten führten sie hierher, doch eines ist diesen Geschichten gleich. Jeder kam freiwillig hierher. Manche lernten das Haus im Rahmen einer Kurzzeitpflege kennen und entschieden sich zu bleiben. Die Anbindung an Freunde, Bekannte, Familie und das Leben in Werdau bleibt erhalten. In unmittelbarer Nähe befinden sich Wochenmarkt und Einkaufszentren, die Ärzte sind nicht weit und selbst weiter entfernte, sehenswerte Orte sind gut erreichbar, zum Beispiel im Rahmen der regelmäßigen Ausfahrten. Jeden Tag wird ein Obstfrühstück kredenzt, während der Zeitungsschau schlürft man Tee oder Kaffee und studiert das Geschehen der Stadt. Nach Mittagessen und Nickerchen ist jeden Tag etwas los, woran man teilnehmen kann – aber nicht muss. Das gilt übrigens auch für das Essen. Kann man sich selbst noch etwas kochen, ist dies in den Etagenküchen möglich. Andernfalls hilft man zumindest beim Obstschälen unten in der Küche.

Im „Haus am Brühl“ legt man großen Wert darauf, dass jeder weitgehend selbstständig bleibt und sich die Betreuung des Einzelnen an die Tagesform anpasst. Man hilft, wenn man gebraucht wird und gesteht den Bewohnern ansonsten ihr eigenes Tun und Handeln zu. Sonntags ist der Kirchgang möglich; wer zum Einkleiden nicht mehr vor die Tür gehen kann oder will, findet beim hausinternen Textilverkauf bestimmt etwas. Jedes zum Pflegealltag gehörende Element wird vom Haus selbst unterhalten, ob Wäscherei, Küche oder Facility Management. Dadurch erhöht sich die Qualität dieser Dienstleistungen automatisch, denn man ist nicht nur einer von vielen Auftraggebern, sondern betreibt alles selbst.

Die fünf Senioren berichten lebhaft von Bastelrunden oder eigenen Rezepten, die in der Küche in Kuchen verwandelt werden. Am Wochenende oder zu Festtagen könne man auch die Angehörigen besuchen. Am Abend aber trifft man sich dann wieder „zu Hause“, im Haus am Brühl.

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